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6 Gründe für ein akustisches Klavier

6 Gründe, warum die Musikschule der Stadt Koblenz akustische Klaviere empfiehlt:

1) Klangfarbe
Ob die Hand weich oder fest ist, ob der Arm mit viel
oder wenig Gewicht in die Tasten geht, ob die Spielbewegung
schnell oder langsam ist – alles das beeinflusst
die Klangfarbe der erzeugten Töne. Je besser ein Klavier ist,
desto reicher ist es an Klangfarben. Dieser Reichtum geht bei
der Reduktion auf ein elektrisches Signal leider verloren. Gerade
Anfänger, die ihre ersten Erfahrungen am Instrument
machen, sollten aber diese Differenzierungsmöglichkeiten
haben, um auch zu Hause das klangliche Gestalten üben zu
können. Außerdem ist das klangliche Resultat dem im Unterricht
erlebten entsprechend und erfordert keine Umstellung.

2) Bewegung
Klavierspielen ist Bewegung. Beim Anschlag der Taste wird die Anschlagsbewegung auf den Hammer übertragen. Dieser schlägt die Saite mit dem vom Spieler übernommenen Schwung an und lässt sie entsprechend klingen. Schwungvolles Spiel ist in diesem Sinne also nur an einem richtigen Klavier wirklich erlebbar, da ein elektrisches Klavier die Bewegung in einen künstlich erzeugten Klang übersetzt.

3) Obertöne
In jedem Ton schwingen zahlreiche Obertöne mit, die in ihrer
Zusammensetzung die Klangfarbe bestimmen. Obertöne
geben einem Ton die Fülle, Wärme, Brillanz.
Auf dem Klavier ist die Klangfarbe durch den Spieler
beeinflussbar. Beim E-Piano ist dies nicht möglich.

Obertöne kann man auf dem Klavier hörbar
machen: durch stummes Niederdrücken
einer Taste aus der Obertonreihe und kurzem
Anspielen des entsprechenden Grundtons
werden die frei schwingenden Saiten der niedergedrückten
Tasten durch Resonanz zum
Schwingen gebracht. Der Oberton ist dann
deutlich zu hören. Viele Komponisten haben
dies in ihren Werken verwendet.
Ganz besonders Kinder sind interessiert an
Klavierstücken mit den geheimnisvollen
(Ober-)Tönen. Auf dem E-Piano können solche
Kompositionen nicht gespielt werden.

4) Pedal
Das rechte Pedal hebt alle Dämpfer von den Saiten ab, und
sämtliche resonierenden Töne können mitklingen. Diese Resonanzfähigkeit
der Saiten untereinander bewirkt, dass der
Ton voller, länger und obertonreicher wird. Da das Pedal
beim Klavier mechanisch funktioniert, kann der Spieler
es „dosiert“ einsetzen, das heißt, es z.B schnell, langsam,
nur zur Hälfte oder noch weniger treten. Durch geschickte
Pedalisierung können so besondere musikalische Stimmungen
zum Ausdruck gebracht werden. Kinder haben
viel Freude, mit dem Pedal zu experimentieren.
Auf dem E-Piano ist dies nicht möglich, da das Pedal einem
elektrischen Impuls folgend entweder an- oder ausgeschaltet
ist. Außerdem klingen immer nur die gespielten, nicht
die resonierenden Töne.

5) Klangausbreitung
Der Klavierton beginnt mit der schwingenden Saite. Diese
Schwingung setzt sich fort über den Resonanzboden,
der den Ton effektvoll verstärkt, bzw. das gesamte Gehäuse
mit all seinen Bauteilen, für die durchweg natürliche,
mitschwingende Materialien verwendet werden. Innerhalb
des Gehäuses beeinflussen sich wiederum die Schwingungen
gegenseitig. Auf diese Weise erfährt der Klang
eine enorme Verbreiterung und kann sich über das ganze
Instrument in alle Richtungen entfalten. Der Körper des
Menschen wiederum ist auch resonanzfähig. Daher kann
der Klavierspieler die Schwingungen nicht nur über das
Gehör als Ton wahrnehmen, sondern er vermag diese auch
mit den Fingerspitzen (Tastatur), den Fußsohlen (Pedale)
und dem ganzen Körper aufzunehmen und zu fühlen.

6) Werterhalt – Wiederverkaufswert
In den letzten hundert Jahren hat sich im Klavierbau
nichts Wesentliches mehr verändert, es gibt also
keine veralteten Klaviere – vom Gehäusedesign abgesehen.
Die Lebenserwartung der Verschleißteile
eines Markenklaviers wie Mechanik, Hammerköpfe
und Saiten liegt bei normalem Gebrauch (ca. zwei
Stunden täglich) bei ca.40 bis 60 Jahren. Dann ist
das Instrument zwar noch spielbar, die klanglichen
Möglichkeiten und die Gleichmäßigkeit der Tastatur
lassen aber nach. Investiert man dann in eine Überholung,
kann man wieder viele Jahre Freude am Instrument
haben.
Ein E-Piano verhält sich dagegen wie alle elektrischen
Geräte: es veraltet bis hin zu dem Zustand, dass keine
Ersatzteile oder Baupläne für Reparaturen mehr
zur Verfügung stehen und aus dem Instrument bestenfalls
ein Oldtimer, schlimmstenfalls aber Elektroschrott wird.

Zusammenfassung
Die klangliche Entfaltungsmöglichkeit, sowie die Resonanzfähigkeit
der Saiten und nicht zuletzt die Möglichkeit,
Spielbewegungen in das Klavier einfließen
zu lassen, machen dieses Instrument zu einem wertvollen
Schatz klanglicher Ausdrucksmöglichkeiten.
All dies kann das E-Piano niemals leisten, da der Ton
künstlich erzeugt wird, Resonanz im oben genannten
Sinn nicht stattfindet (Resonanzboden- das akustische
Herzstück des Klaviers! - und Saiten fehlen) und der
Ton von Lautsprecherboxen abgestrahlt wird.
Für den Anfangsunterricht ist ein elektrisches Klavier
nach unseren Erfahrungen nicht geeignet. Ist aus
dem Anfänger jedoch ein fortgeschrittener Schüler
geworden, der den Klangreichtum des Klaviers ausschöpfen
und gestalten kann, mag für ihn die Benutzung
eines E-Pianoseine Ergänzung sein.

Tipps zur Anschaffung
_ Es muss kein neues Klavier gekauft werden, auch gebrauchte
sind beim Fachhändler zu bekommen.
_ Viele Klavierhäuser bieten Mietkauf an. Fragen Sie
nach den Konditionen. Vor allem wenn Sie unsicher
sind, ob Ihr Kind wirklich Freude am Klavierspielen
entwickelt, bietet sich diese Möglichkeit an.
_ Von Privat sollten Sie nur ein Klavier kaufen, das ein
Fachkundiger gesehen und geschätzt hat.
_Vor allem sehr alte und sehr günstige Instrumente
können Mängel haben.
_ Fragen Sie Ihren Klavierlehrer um Rat, wenn es um
die Auswahl eines Instrumentes geht.
_ Bedenken Sie bei der Wahl, dass das Klavier für
viele Jahre bei Ihnen stehen wird und dass ein schöner Klang viel zur Motivation des Spielers beiträgt. Das häusliche Üben soll schließlich zu einem beglückenden Musizieren werden!

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